Der Schuß von der Kanzel ist eine humoristische Novelle von Conrad Ferdinand Meyer (1825–1898), die vom Werk Gottfried Kellers beeinflusst ist und zwischen Mai und August 1877 entstanden ist. Sie wurde erstmals im Zürcher Taschenbuch auf das Jahr 1878 veröffentlicht. Pfannenstiel, Kandidat der Theologie, ist ein schwacher und naiver Mensch. Er fühlt sich der «Welt des Zwanges und der Maske» nicht gewachsen. Deshalb glaubt er auch, auf seine Liebe zu Rahel, der Tochter des Pfarrers von Mythikon, wegen des zu grossen Standesunterschieds verzichten zu müssen. Er sucht General Wertmüller auf, einen Vetter des Pfarrers, um eine Stelle als Militärkaplan in dessen venezianischer Kompanie von ihm zu erbitten. Der General lehnt diese Bitte ab, da er Pfannenstiel als zu schwach ansieht. Im weiteren Verlauf des Gesprächs erfährt der General, dass Pfannenstiel seine Grosscousine Rahel liebt. Der General, der in Mythikon aufgrund der Tatsache, dass er ungläubig ist und ausländische Sklaven anstellt, nur mit Unbehagen aufgenommen worden ist, heckt einen Plan aus, um die beiden Liebenden zu vereinen. Zudem ist es ein langersehnter Wunsch des Generals, sich auf Kosten der Kirche lustig zu machen. Als Pfannenstiel im Hause des Generals am nächsten Morgen aufwacht, ist dieser bereits, mit zwei gleichartigen Waffen bestückt, in die Kirche seines Vetters gegangen. Dort schenkt er seinem Vetter eine der beiden Pistolen. Diese hat allerdings einen sehr schwergängigen Abzug. Der Vetter nimmt dankend an, doch in einem günstigen Augenblick, kurz vor Beginn der Predigt, vertauscht der General die schwergängige Waffe gegen die zweite, die mit einem leichteren Abzug versehen ist. Der Pfarrer steckt sich die Pistole unter seinen Talar und beginnt die Predigt. Bei der letzten Strophe des Lieblingsliedes der Mythikoner («Lobet Gott mit großem Schalle!»), als der General seinen Plan schon gescheitert sieht, zieht der Pfarrer die Waffe und gibt aus Versehen einen Schuss ab. Der General besänftigt die aufgebrachte Mythikoner Gemeinde, indem er sie in sein Testament aufnimmt. Dem Mythikoner Pfarrer vererbt er ein Schloss, wo er leben und sich um die Jagd kümmern kann. Dieser muss aber sein Amt niederlegen und den beiden Liebenden seinen Segen geben. Die Gemeinde Mythikon erhält das begehrte Land unter der Bedingung, niemandem die Geschichte vom Schuss von der Kanzel zu erzählen. Der General starb während des Feldzuges an einer mysteriösen Krankheit.