H. L. Wagner "Die Kindermörderin" - ein soziales Drama:

Studienarbeit

Autor:
Sebastian Tannenberger
ISBN:
978-3-638-94523-3
Autotagi:
druk

Aus heutiger Sicht ist es schwierig, die Situation Evchens und die Gründe, die sie dazu veranlassten ihr eignes Kind zu töten, nachzuvollziehen. Das damalige Frauenbild, die Übermacht des Adels, Geschlechterrollen des 18.Jahrhunderts oder der Einfluss der Kirche auf die Gesellschaft sind nur einige Aspekte, die junge Mütter dazu veranlassten, ihre Neugeborenen zu töten. Der soziale Druck, der auf Evchen Humbrecht lastet, wird deutlich, wenn man den Fall Susanna Margaretha Brandt in die Betrachtung des Dramas mit einbezieht. Während in Goethes Faust der Kindsmord parallel mit überirdischen Elementen verarbeitet wird, dokumentiert Heinrich Leopold Wagner in seinem naturalistisch geprägten Werk exemplarisch die sozialen Umstände und die mögliche psychische Verfassung einer Kindsmörderin im Jahr 1776. Anfang des Jahres 2007 warf eine 26jährige Frau ihr neugeborenes Kind in eine Plastiktüte eingewickelt aus dem 20. Stock eines Hamburger Hochhauses. Offizielle Zahlen belegen, dass im Jahr 2006 über 100 Frauen ihre Schwangerschaft verdrängt oder erst kurz vor der Geburt realisiert haben. Die Dunkelziffer dürfte weitaus höher liegen» Auch wenn sich die sozialen Notstände, mit denen besonders junge, werdende Mütter in Deutschland konfrontiert werden, verändert haben, hat das Motiv des Kindsmords, das Wagner in seinem Drama Die Kindermörderin beschreibt, auch nach über 200 Jahren nicht an Aktualität verloren.
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