Die Geschichte einer großen, leiderfüllten Liebe, das symbolische Vermächtnis der Gefallenen zweier Weltkriege.In sehr lebendigen Szenen, stimmungsvoll und mit pastellfarbener Zartheit, zeichnet die Dichterin im Mittelpunkt das Paar „Andre und Ursula". Das Fremde, das zuerst zwischen den beiden Menschen steht, die durch das Kriegstagebuch eines französischen Verdun-Kämpfers zueinander fanden, das allmähliche Erblühen ihrer Liebe und ihr tragisches Ende deutet sie charakterlich so eindringlich, daß wir ganz und gar von diesem schönen Buch gefesselt sind.In der Provinz Frankreichs, dort, wo sich die Seele des französischen Volkes in ihrer ganzen Ursprünglichkeit offenbart, ist der eigentliche Schauplatz der Handlung. Mit feinen, behutsamen Strichen wird das soziale Leben wiedergegeben, das Frankreich des „bon citoyen", des „guten Bürgers"; im Hintergrund zeigt uns Polly Maria Höfler die liebliche französische Landschaft an der Maas und ihre Menschen: die weißhaarige Matrone, die 1870/71 schon erlebt hat, den Jesuitenpater, den Offizier, den Arzt und den Studenten, den „Fermier", den Gutspächter — sie alle stehen lebendig vor uns, in ihren Schwächen und Tugenden, ihren Hemmungen und auch Hemmungslosigkeiten. Es ist die Seele Frankreichs in ihrer ganzen behäbigen, manchmal auch etwas nervösen, zumeist barocken Lebensfülle, die sich hier widerspiegelt.Über allem aber liegt eine leise mahnende Melodie, deren Klanggemälde auch die Disharmonien noch gelten läßt. Über allem liegt eben das Vermächtnis der Gefallenen zweier Weltkriege, ihr Auftrag an die Jugend Europas. So, wie ihn Andre und Ursula verstanden haben, wie ihn Polly Maria Höfler, die als eine der stärksten Begabungen im heutigen epischen Schrifttum bezeichnet wurde, weitergegeben hat, kann das Buch in unseren Tagen seine Aufgabe erfüllen.