"Ich bin ein Sonntagskind, ein Kind der Sonne...", von diesen Zeilen der österreichischen Kaiserin Elisabeth hat Sigrid Laube sich beim Schreiben dieses biographischen Romans inspirieren lassen. "Sisi, das Kind der Sonne" behandelt die Kindheit und Jugend Sisis von ihrer Geburt in München bis zu ihrer Abreise nach Wien zur Hochzeit mit Kaiser Franz Joseph von Österreich. Während sich der erste Teil mit Sisis Kinderjahren beschäftigt, widmet sich der zweite Teil ausführlich dem Geschehen während der Verlobung in Bad Ischl. Zugute halten muss man diesem Roman, dass der erste Teil von der Stimmung und Atmosphäre her durchaus fröhlich und auch lustig zu lesen ist, die Autorin schildert ziemlich glaubwürdig die Stimmung in der kinderreichen Familie, in der Sisi aufwächst. Der zweite Teil ist dann doch schon etwas "düsterer" von der Atmosphäre her (obwohl er ja das eigentlich fröhliche Thema einer Verlobung beschreibt), bis sich dann zum Ende hin alles in Tränen aufzulösen scheint. Jedoch ist auch im ersten Teil nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen, die Autorin geht auch immer wieder auf die Spannungen in der Ehe von Sisis Eltern ein, erwähnt sogar in einer etwas ausführlicheren Episode die unehelichen Kinder von Herzog Max. Ein Nachteil dieser Zweiteilung des Buches sind jedoch die großen Zeitsprünge, die mitunter von Kapitel zu Kapitel vorkommen. So gelingt es leider nicht, eine dauerhafte Bindung zu den Personen herzustellen, wirkt manches an einigen Stellen zu überhastet abgearbeitet, an anderen jedoch wieder ein wenig zu ausführlich. Vor allem die Nebenfigur des Malers Flimm wirkt hier leider vollkommen deplaziert. Er taucht zwar zu allen wichtigen Ereignissen der zukünftigen Kaiserin (Geburt, unbeschwerte Kindertage am Starnberger See, Verlobungszeit in Ischl) auf, doch trägt er nichts zur Handlung bei. Ebenso schwer getan habe ich mich leider ausgerechnet mit der Hauptfigur der Sisi. Irgendwie bleibt gerade die Protagonistin dieses Romans seltsam "verschwommen" für den Leser, kann man sich nicht in sie hineinversetzen, tritt sie nie wirklich ins Zentrum des Geschehens, bleiben einem ihre Gefühle und Gedanken verborgen. Einem erwachsenen Leser, der bereits ein gewisses Vorwissen über die Kaiserin mitbringt, mag dies nur auf literarischer Ebene auffallen. Die Zielgruppe dieses Buchs sind jedoch eher Mädchen ab etwa 10Jahren und diese brauchen für einen Roman vor allem eine Heldin, in die sie sich hineinversetzen können und dies gelingt der Autorin leider nicht. So hinterlässt dieses Buch einen eher zwiespältigen Eindruck. Bei aller historischer Authentizität, die "Sisi, das Kind der Sonne" vermittelt (inklusive einem Glossar, das die meisten historischen oder fremdsprachigen Begriffe erklärt), ist es leider ein eher mittelmäßiger Roman, der zwar erwachsene Leser ganz gut unterhält, für jugendliche Leser jedoch eher etwas langweilig sein dürfte.