Augenblicke

Autor:
Berit Lukas
Wydawca:
Litblockin (1996)
ISBN:
3-923915-88-8
Autotagi:
druk
opowiadania
Źródło opisu: Wojewódzka Biblioteka Publiczna im. Emanuela Smołki w Opolu - Katalog centralny

"augenblicke" ist die Geschichte von fünf Personen: Rikgia, Oljo, Margret (Margie), Christopher (Orph) sowie der Mutter von Rikgia, die in Münster im Jahr 1984 leben. Alle bis auf Orph, der nur als Randfigur fungiert, stehen in extremen Lebenssituationen. Sie scheitern in ihrem Verhalten zueinander, da keiner zu einer wirklichen Kommunikation fähig ist. Die Mutter von Rikgia erkrankt an Zungenkrebs. Der Sterbeprozess wird nur durch die Gedanken der Tochter präsentiert und durch Beschreibungen des Ich-Erzählers, das heißt nur durch eine Sicht von außen. Die sterbende Person selbst kommt nicht zu Wort. Das Sterben der Mutter bedeutet für die Tochter eine Belastung, der sie kaum gewachsen ist, da sie mit dieser plötzlich auftretenden Situation allein umgehen muß. Es gibt keinen Vater, er wird nicht einmal erwähnt. Margie ist als Kind mißbraucht worden, wird vergewaltigt und zerbricht daran. Oljo wird zum Alkoholiker und ist quasi nicht in der Lage, für längere Zeit einen eigenen Lebensweg zu finden. Eingebettet in zeitgenössische Musik widerspiegelt der Text die bedrohliche Atmosphäre Anfang der achtziger Jahre. augenblicke - das sind szenenhart aneinandergereihte Textpassagen, die sich zum Ende immer mehr auflösen. Die Form wird stakatohafter, instantaneistischer, um dem inhaltlichen Chaos (Sterbeprozess, immer weiter fortschreitende Kommunikationsunfähigkeit zwischen den einzelnen Personen, am deutlichsten durch die tatsachliche Sprachunfähigkeit der Mutter dargestellt) auch formal gerecht zu werden. Die kurzen Sequenzen zum Schluß versinnbildlichen in extremer Form die Sprachlosigkeit und stellen Gedankenfetzen durch Drogensprache und Musikatmosphäre dar. Der Text wird nicht durch einen konventionellen Erzähler getragen, sondern im wesentlichen durch eine Fragmentstruktur, die die Möglichkeit zu einer gewissen Musikalität bietet. THE END von den DOORS wird nicht nur metaphorisch verwendet, sondern findet Anwendung u. a. in der Grundstruktur des Textes. Die verschiedenen Sprachebenen bedingen einen unterschiedlichen Rhythmus des Schreibens. So wird die Geschichte auch nicht im eigentlichen Sinne erzählt, sondern muß vom Leser Stück für Stück zusammengesetzt werden. In dieser offenen Form wird viel verschwiegen, das ist anlehnend an die Eisbergtheorie - 1/3 zu sehen, 2/3 verborgen -, geschrieben. Es werden versteckt viele Hinweise gegeben, die verfolgt werden können, aber nicht müssen. Der Inhalt wird auf verschiedenen Erzählebenen vermittelt. Als Jugendlicher gescheitert, erzählt Oljo zehn Jahre später und wird sich beim Wiederhören alter Platten über Fehler von damals bewußt. Der Text endet, wie er beginnt und läßt auf eine positive Weiterentwicklung hoffen.
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