Diese Reclam Ausgabe vereint 2 Erzählungen Kleists mit den Anekdoten, die er für seine eigene Zeitung, die Berliner Tageblätter, verfasste. Des Weiteren sind noch die einzigen zwei Fabeln, die Kleist je geschrieben hat und zwei Essays enthalten, "Über das Marionettentheater" und die kurze, aber bis heute unerhört kluge und treffliche philosophische Betrachtung mit dem Namen "Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden." Die Geschichte "Der Zweikampf" ist, wie viele von Kleists Texten und Dramen, um Irrungen, Intrigen und eine Liebesgeschichte gesponnen. Bemerkenswert ist weniger die Darstellung einer simplen Rätselgeschichte, als das brillant als Metapher verwendete Symbol des Zweikampfs, der ja, so glaubten die Zeitgenossen Kleists, ein göttliches Urteil war; dergestalt, dass der, der gewann, auch im Recht war und der andere ward ein Lügner und gehörte zum Tode verurteilt. Es ist eine spannende und doch sehr dialektische Erzählung. Die heilige Cäcilie ist weniger eine Geschichte als lang gezogene Anekdote. Es geht um die Kraft der Musik, in Verbindung mit dem religiösen Glauben. Sie ist nicht fesselnd und auch nicht spannend zu lesen und ich halte sie sogar für etwas misslungen, jedoch könnte sie bei Liebhabern gut erzählter Wundergeschichten vielleicht Leser finden. Die Anekdoten sind kleine, 1-2seitige Texte. Viele haben ihren eigentlichen Glanz mit der Zeit ein wenig verloren, doch waren sie (für mich) sehr interessant als zeithistorische Dokumente. Es geht darin um Phänomene, dann sind da Geschichten aus den Kriegen des 18. Jahrhunderts, einfacher Schabernack, kleine Gesellschaftstechtelmechtel und wie witzigen Aussprüche von einem, der einen andern zum Richtplatz führt. Unterhaltsam sind die kleinen Schriften allemal.