Die Gesamtheit der Ritualisierungen im Alltag -- und wie lautet die passende Frage hierzu? -- Was ist Brauchtum? Richtig! Unter dieser trockenen Lexikondefinition eines Begriffs, der zudem in Verruf geraten ist, kann man sich kaum etwas Konkretes vorstellen; das ist anders, wenn man sich die Frage von Feiern, Feste, Jahreszeiten. Lebendige Bräuche im ganzen Jahr beantworten lässt. Eine kurze Einführung gibt Auskunft zu Wesen und Entwicklung des Brauchtums in den christlichen Kirchen von der Antike bis zur Gegenwart. Dabei liegt, wie in den einzelnen Kapiteln des Buches, neben begrifflicher Klärung der Schwerpunkt auf den wichtigen Epochen für die Ausbildung, Wiederentdeckung, Umgestaltung und Neuschaffung religiöser Bräuche: das frühe Christentum und seine Auseinandersetzung mit und Abgrenzung von jüdischem Glauben und heidnischem Brauchtum; Reformation, Gegenreformation und katholische Reform, die Altes verwarfen und Neues einführten; die kirchliche Aufklärung mit ihrem Versuch der Rationalisierung der Volksfrömmigkeit; im 20. Jahrhundert die Übernahme und Pflege bürgerlicher Bräuche und seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil die Förderung der kulturell unterschiedlichen Brauchtumsüberlieferung. Auftakt ist das Fest des heiligen Martin von Tours, mit dem die Advents- und Weihnachtszeit beginnt, es folgen ausführliche Darstellungen zu Sankt Nikolaus, Advent und Weihnachten, Karneval, zur Fastenzeit und Karwoche, zu Ostern, der nachösterlichen Zeit, dem Marienjahr. Eine Sammlung mit Quellentexten zum Jahreskreis schließt den Kreis. Anschaulich und klar geschrieben, ergänzt mit Legenden, Liedern, Gedichten und Viten, verfolgt man die Alltags- und Kulturgeschichte, erfährt die Auswirkungen von Umbrüchen auf diese und stellt fest, dass diese Bräuche auch heute nichts von ihrer Aktualität verloren haben.