Fünf Menschen wurden von Gerhard Stuchlik befragt, fünf Lebensgeschichten wurden in Form von Tonbandprotokollen erhellt - Lebensgeschichten, von denen die meisten auf den ersten Blick mehr oder weniger normal erscheinen, die es aber dennoch in sich haben. Ihre Brisanz erwächst in erster Linie aus der Besonderheit der Bezugsperson, über die im vorliegenden Buch ausgesagt wird und die selbst über sich aussagt. Diese im Mittelpunkt stehende Person ist Rolf 0., ein Mann, der in seinem Leben mehrfach straffällig wurde. Dieser Mann, bei dem man vor Überraschungen nie sicher ist, wie seine Kollegen sagen, liebt indes seinen Beruf - er ist Lok-fahrer bei einer Werkbahn - über alles; er gehört zu den besten in seinem Kollektiv. Wie kommt das zusammen? Stuchlik befragte Rolfs früheren Freund, er befragte den Kollegen, den Vorgesetzten und die Ehefrau, Anna 0., die durch den Fernsehfilm „Die Befragung der Anna 0." einem breiten Publikum in bleibender Erinnerung ist. Diese vier Menschen, die alle mit Rolf, wenn auch auf unterschiedliche Weise, in Verbindung stehen, legen Zeugnis ab : über sich, über ihre Beziehungen zu den Mitmenschen — speziell zu Rolf 0. Durchaus nicht alles, wovon berichtet wird, ist vorbildlich: Fehlschläge, Enttäuschungen, unterschiedliche Auffassungen, auch subjektiv bedingtes Versagen gibt es. Nur scheint uns das ganz natürlich, besitzt doch jeder der hier Befragten seine eigenen Lebenserfahrungen und daraus resultierend seine Auffassung vom Leben. Bemerkenswert jedoch ist bei allen die Hilfsbereitschaft und das Verantwortungsgefühl für den einzelnen und für das Ganze.